Die Generalpriorin der Kongregation der Arenberger Dominikanerinnen in Koblenz, Schwester M. Scholastika Jurt, war Gast der Novemberveranstaltung der „60 Minuten – SPD im Dialog“, die wie immer am ersten Samstag im Monat im Restaurant Dormont’s in der Koblenzer Altstadt stattfand. 

Der Vorsitzende der SPD Koblenz Detlev Pilger (MdB) begrüßte gemeinsam mit seiner Vorstandskollegin Dr. Anna Köbberling (MdL) die gebürtige Schweizerin, die 1990 der Ordensgemeinschaft der Arenberger Dominikanerinnen beitrat und 1998 die Ewige Profess ablegte. Die ausgebildete Gemeindereferentin hat darüber hinaus eine Ausbildung in Geistlicher Begleitung und als Exerzitienleiterin absolviert. Ebenso war sie lange Jahre als Priorin und Noviziatsleiterin in Arenberg und in Rickenbach für die Ausbildung des „Nachwuchses“ der Gemeinschaft verantwortlich. Eindrucksvoll und mit Verve schilderte Sr. Scholastika ihren Weg zu einer tiefen Freundschaft mit Gott und zu ihrer Entscheidung, sich mit 25 Jahren dem Orden und dem Ordensleben anzuschließen. 
Ein Ordensleben, welches einen Auftrag in und für die Gesellschaft wahrnimmt und deren Kernfrage Sr. Scholastika in der Frage zusammen fasst: „Was ist die Not der Zeit heute? Wie sieht zeitgemäßes Helfen heute aus?“ 

Es war auch diese Frage, welche für das Kloster in Arenberg das Fundament seiner Neuausrichtung bildete. „Wir schrieben hochrote Zahlen und standen vor der Frage, das Kloster komplett abzuwickeln oder eben etwas Neues zu versuchen“, erinnerte sich die Generalpriorin.

Mit diesem ‚Neuen‘ traf die Gemeinschaft einen Nerv und eine Sehnsucht der Zeit. „Viele Menschen suchen nach Sinn und Erfahrungen. Bei dieser Sinnsuche wollen wir helfen. Unsere Ausrichtung gründen wir dabei auf die fünf Säulen von Kneipp: Wasser, Kräuterheilkunde, Bewegung, Ernährung und Lebensordnung. Wir wollen eine ganzheitliche Erholung bieten mit Angeboten, bei denen jemand für „mich“ Zeit hat. Wellness für die Seele, für den Geist.“
Wer sich den Aufenthalt nicht leisten kann, dem wird im Einzelfall unkompliziert und vertraulich geholfen. Anschließend wird kein Unterschied gemacht, ob jemand aus dem Fonds eine Unterstützung erhielt oder für alles selbst aufkommen konnte. Natürlich ist das Kloster offen für alle Religionen: „Wir fragen nicht nach Religion oder ob jemand gläubig ist oder weniger, darauf kommt es auch nicht an.“ Daher habe sie auch kein Verständnis für einen in Teilen stattfindenden Rechtsruck in Kirchen. „Spiritualität in der christlichen Kirche wird von einigen in eine stark konservative, vermeintlich reine Lehre getrieben. Dabei wird übersehen, dass Zäune im Geiste Menschen nur verlieren und vereinsamen lassen.“

Diese Neuausrichtung ist nicht der einzige Wandel, dem das Ordensleben in Arenberg aber auch allgemein ausgesetzt ist. Klöster verlören immer mehr ihrer einstigen Privilegien, was die Generalpriorin nicht als schlecht ansieht. Frauen dürften heute bei Eintritt ihren Taufnahmen beibehalten. Und auch wenn der Tagesablauf im Kloster noch immer eine Konstante im Leben der Schwestern darstellt und die vier Gebete den Rahmen um den Tag ziehen, machen auch hier Veränderungen nicht halt: „Wir haben derzeit ein Durchschnittsalter von 81 Jahren. Vor dem Hintergrund der Herausforderung Nachwuchs für das Klosterleben zu begeistern, wandelt sich das Leben in der Gemeinschaft im Kloster von der reinen Gebets-, Lebens-, Glaubens- und Arbeitsgemeinschaft hin zu einer Gemeinschaft, in der das Teilen stärker im Vordergrund steht. Zukünftig wird das Kloster stärker der Wohn- und Glaubensmittelpunkt sein. Die Arbeit wird wohl auch mehr und mehr außerhalb der Klostermauern stattfinden, in pflegenden und helfenden Berufen.“