Am 1. Juli begrüßte der Bundestagsabgeordneter Detlev Pilger, Schwester Lea Ackermann im Restaurant Dormont’s in der Gemüsegasse im Rahmen der monatlichen Veranstaltungsreihe „60 Minuten – SPD im Dialog“.
Schwester Ackermann gab tiefe Einblicke in die Arbeit von SOLWODI und in ihren eigenen Weg zu einem Leben als katholische Missionsschwester. Mit 23 Jahren trat die gelernte Bankerin und jetzt 80-jährige in die Gemeinschaft der Missionsschwestern unserer Lieben Frau von Afrika ein, eine internationale Gemeinschaft mit rund 1.400 Schwestern weltweit, nicht ohne einen gehörigen Respekt vor der Strenge und dem Gehorsam, den das Klosterleben mit sich bringen würde. Auf ihr Engagement in Afrika bereitete sie sich acht Jahre intensiv vor. Im Kloster wurde Lea Ackermann auch als Lehrerin mit dem Ziel ausgebildet, anschließend in Ruanda ebenfalls junge Frauen hierzu auszubilden.  

Der Genozid in Ruanda hat auch ihre Arbeit eingeholt. Noch immer spürt man in ihren Berichten das Grauen und die Schrecken dieser Jahre. Vor allem das Leid der Kinder , die miterlebten wie ihre Eltern umgebracht wurden, haben Lea Ackermann nachhaltig in ihrer Arbeit geprägt: „Ich habe das Land als sehr schön und die Menschen als sehr liebenswürdig  kennengelernt. Für mich war und ist unbegreiflich, wie es zu diesen Verbrechen kommen konnte.“
Sie holte acht Kinder und  1 Jugendliche zumindest für ein Jahr nach Deutschland, um ihnen ärztliche Pflege, Zeit zur Regeneration und Erholung zu geben.
Als sie die Ernennung Ihrer Gemeinschaft nach Kenia erhielt, wechselte sie abermals ihren Fokus von der Lehrerinnenausbildung zur Frauenhilfe und gründete dort SOLWODI (Solidarität with women in distress). Heute existieren in Kenia alleine 34 Beratungsstellen, in Deutschland 18 Beratungszentren und 9 Schutzhäuser, in Österreich: Wien und Innsbruck je Beratungszentren und Schutzhäuser,  in Rumänien und in Rwanda gibt es ebenfalls ein Beratungszentrum von SOLWODI. Noch immer ist Lea Ackermann von Zeit zu Zeit vor Ort und schaut nach dem Rechten. Ihre Zusammenarbeit mit Django Rheinhardt gibt der Arbeit eine neue und einzigartige Facette.
Engagiert kämpft sie gegen Prostitution und gegen deren Verharmlosung in der Gesellschaft. Sie präferiert hier das schwedische Modell. „Bei der Gleichwertigkeit beider Geschlechter kann das eine das andere nicht kaufen. Auch in Deutschland muss es ein Sex-Kauf-Verbot geben. Besonders ärgert es mich, dass sich die Betreiber von Bordellen in regelrechten und mächtigen Lobbygruppen zusammengeschlossen haben und das Gewerbe damit ein Stück normalisieren wollen“, so Ackermann, die für einen Mentalitätswandel der Gesellschaft auch weiterhin kämpfen wird.