Kann in der Koblenzer Jugendarbeit noch eingespart werden oder wie müssen die Träger der Jugendarbeit auf den Sparzwang, den die Stadt vorschreibt, reagieren? Um diese beiden zentralen Fragen drehte sich die Veranstaltung „60 Minuten SPD – im Dialog“ mit dem Geschäftsführer der Jugendkunstwerkstatt (JuKuWE) Koblenz e.V., Christof Nießen. Nießen, als Diplom- Sozialarbeiter (FH) und seit Jahrzehnten in der Koblenzer Jugendarbeit tätig, war da ein profunder Gesprächspartner.

Er berichtete von der Vielfalt und Bedeutung der unterschiedlichen Maßnahmen: “Mit attraktiven Workshops, die Kinder und Jugendliche ansprechen, z.B. Graffiti und Hip Hop, leisten wir einen wichtigen Integrationsbeitrag, denn da kommen Kinder aus verschiedenen sozialen Lebenswirklichkeiten zusammen, Berührungsängste werden abgebaut oder entstehen erst gar nicht. Mit geeigneten Projekten in Schulen stärken wir die Schulidentität und das Selbstbewusstsein von Schülern.“

Einsparpotential in der Jugendarbeit sieht Nießen zwar nicht, aber er weiß, dass die politischen Vorgaben auch von den Trägern der Jugendhilfe neue Antworten verlangen: „Erfolg lässt sich bei unserer Arbeit schwierig messen. Dennoch müssen wir versuchen, unsere Arbeit noch besser zu dokumentieren und zu evaluieren.“ Diese Ankündigung unterstütze der Vorsitzende der Koblenzer SPD David Langner: „Wir können in der Auseinandersetzung im Stadtrat jedes gute Argument gebrauchen, um andere davon zu überzeugen, dass Kinder- und Jugendarbeit einen unverzichtbaren Beitrag für ein friedvolles gesellschaftliches Miteinander leistet.“

Auf die Position in dieser Frage war zuvor auch Ratsmitglied Detlev Pilger in seiner Moderation eingegangen. Nochmal deutlich vertrat er die Position, dass im Sozialbereich keine falschen Schnitte gemacht werden dürften. „Versäumnisse gerade bei Kindern und Jugendlichen kosten den Staat und die Stadt später Millionen, weil oftmals berufliche Perspektive verbaut werden, weil Frust in Gewalt und Zerstörungswut umschlägt.“ So bleibt für Pilger und die SPD das Ziel bestehen, den Kinder- und Jugendbereich weitestgehend vor Einsparungen zu verschonen. Dennoch machte auch Pilger deutlich, dass eine Überprüfung von eingeschlagenen Wegen im Dialog mit den Betroffenen zu einer Verbesserung der Maßnahmen und eventuell größeren finanziellen Spielräumen führen kann: „Die SPD fordert bereits seit Jahren einen Runden Tisch in dieser Frage mit allen Beteiligten.“

Die Träger der Jugendhilfe sind dabei offen für Vorschläge, wie Nießen betonte: „.Die außerschulische Jugendarbeit in Koblenz ist hervorragend vernetzt, übrigens ohne einen hauptamtlich agierenden Koordinator. Dies hilft dabei Konzepte zu hinterfragen und neue Ideen auszutauschen.“