Vor einer „Vertafelung“ der Gesellschaft warnte Superintendent Rolf Stahl bei „60 Minuten SPD – im Dialog“. Auch in Koblenz gerate eine größer werdende Zahl von Mitmenschen durch unterschiedlichste Gründe in besondere finanzielle Notlagen. Als letzte Möglichkeit, um „über die Runden“ zu kommen, nehmen diese dann die Ausgabe kostenloser Lebensmittel in Anspruch. „Hier wird zwar wertvolle Hilfe geleistet, aber der Blick auf die strukturellen Umstände bleibt in der Regel aus“, kritisierte Stahl.

Die betroffenen Familien benötigen aus Sicht von Stahl, der seit 2009 die synodale Leitung der evangelischen Kirche im Rheinland innehat, professionelle Anleitung und Begleitung, damit sie die eigenverantwortliche Bewirtschaftung ihrer Haushalte wieder in den Griff bekommen. Die klassische Schuldner- und Insolvenzberatung greife dabei oft zu kurz: Wo kein Einkommen vorhanden ist, können auch keine Schulden abgebaut werden.

Der These folgend, dass sich das Wohl Gesellschaft am Wohl der Minderheiten entscheidet, engagiere sich die evangelische Kirche insbesondere für die schwächeren Menschen in unserer sozialen Gemeinschaft. Stahl zeigte im Gespräch mit Moderator Detlev Pilger und den wieder zahlreichen Gästen eindrucksvoll, welchen Beitrag die evangelische Kirche in Koblenz bei der Bewältigung sozialer Aufgaben leistet. Dabei sieht er auch die Rolle der sozialen Träger bei der Diskussion über Einsparungen kritisch. „Wir haben uns einem so genannten Runden Tisch auch deshalb verweigert, weil wir bei anderen Fragen auch nicht angehört wurden. Wenn die Politik jetzt von uns Vorschläge zur Kostenreduzierung aus unserem Bereich erwartet, sehen wir darin nicht unsere Aufgabe.“ Trotzdem wünscht sich Stahl von der Koblenzer SPD, dass sie auch weiterhin darauf achtet, dass der gemeinsame Diskurs zwischen Kirche und Politik im Interesse der Menschen nicht ins Stocken gerät. Pilger hob in seiner Moderation deutlich die Bedeutung der Kirchen hervor: „Wenn die Stadt alle sozialen Einrichtungen und Dienstleistungen der Kirchen übernehmen müsste, wären wir schlichtweg nicht nur finanziell überfordert.“