Koblenz und der Klimawandel. Dieses Thema stand auf der Tagesordnung von 60 Minuten SPD im August. Dieses Mal begrüßten die Gastgeber Detlev Pilger, MdB, und David Langner, Staatssekretär und Vorsitzender der Koblenzer SPD, den Humanmediziner und stellvertretenden Vorsitzenden des BUND Koblenz Dr. Thomas Bernhard.

Umweltfragen betreffen uns alle und geraten dennoch häufig in Vergessenheit, erläutert Bernhard in seinem Eingangsstatement. Im Pariser Abkommen werde das Ziel manifestiert, in den kommenden Jahren maximal eine globale Klimaerwärmung von 1,5°C zu haben, doch selbst diese seien utopisch bei einer enorm hohen CO²-Freisetzung wie sie momentan vorhanden ist. Um dieses Klimaziel zu erreichen gehöre beispielsweise, dass bis spätestens 2035 der Individualverkehr elektrifiziert wäre und der Anteil des ÖPNV und Radverkehr am Gesamtverkehr erhöht werde. Hier sieht Bernhard für Koblenz derzeit keine Chance auf eine Realisierung. Insbesondere bei der Fahrradfreundlichkeit der Stadt gebe es erheblichen Nachholbedarf.

Während der Diskussion stellte sich heraus, dass die besten Möglichkeiten für den Klimaschutz kleine Verhaltensänderungen im persönlichen Bereich sind: Im Bereich Ernährung, Konsum und Wasserverbrauch lässt sich die Emission von klimaschädlichen Stoffen bereits eindämmen. Der Umstieg auf das Fahrrad, der Bezug von Ökostrom, die Einsparung von Wasser sind bereits kleine, realisierbare Dinge die auch Freude bereiten. Diese Freude war Bernhard wichtig, denn oftmals gelten Klimaschützer eher als „Spaßbremsen“, die Verbote aussprechen wollen. Er fordert, dass in Zukunft Architekten und Ingenieure, die für die Stadt arbeiten, zertifiziert sind im Bereich Umweltbau, sodass eine energetischere Bauweise ermöglicht wird. Es gäbe in städtischen Gebäuden noch viele falsch eingebaute Heizungen und schlechte Dämmungen – beispielsweise in Schulen. Pilger bemängelt auch in diesem Zusammenhang den Eckwertebeschluss, da dieser Investitionen hemmen würde, obwohl die Kosten mittelfristig wieder erwirtschaftet würden.

Was kann die Kommune für den Ausbau der erneuerbaren Energien tun? Für Bernhard ist es trotz schlechter gewordener Rahmenbedingungen möglich, den Ausbau von Solaranlagen auf städtischen Liegenschaften voranzutreiben. Überschüssige Energie muss dann auch in Batterien oder in Form von Wasserstoff gespeichert werden, damit auch die spätere Nutzung möglich sei. Hier seien allerdings als erste Schritte Subventionen und Anreizen durch Umlagen für eine Markteinführung notwendig, um eine kostengünstige Produktion zu ermöglichen. Für Koblenz wäre ein erster Schritt, dass es eine Unterstützung durch die evm gäbe, wünscht sich Bernhard. Die Passivhaussiedlung auf dem Asterstein kann der Naturschütz sich auch an anderen Standorten in Koblenz vorstellen