Selim Özen, Leiter des Fachbereichs für Migration und Integration der AWO Rheinland, informierte auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Detlev Pilger und des Vorsitzenden der Koblenzer SPD, David Langner in „60 Minuten SPD – im Dialog“ über die Arbeit der Beratungsstelle der AWO für Migration und Integration im Allgemeinden und über die aktuellen besonderen Herausforderungen aufgrund der steigenden Flüchtlings- und Asylbewerberzahlen.

„In einer sehr lebendig geführten Diskussion wurden zahlreiche Probleme von Flüchtlingen, die in Koblenz soweit irgendwie möglich, dezentral bei privaten Vermietern untergebracht werden, angesprochen.“, berichtete David Langner. Er räumte allerdings auch ein, dass die extrem angespannte Lage am Koblenzer Wohnungsmarkt dazu führe, dass zum Teil qualitativ sehr schlechter Wohnraum zu sehr hohen Mietpreisen angemietet werden müsse. Hier sähe es in Teilen leider so aus, als würden einige Vermieter eine Art „Marktlücke“ entdecken, mittels derer sich gut Geld verdienen lasse, so Langner weiter.

Problematisch sieht Özen das oft monatelange Zusammenleben in den Übergangswohnheimen, wo unterschiedliche Nationalitäten in oft überbelegten Räumen (bis zu 5 Personen in einem kleinen Raum) bei religiösen und kulturellen Unterschieden aufeinandertreffen. Hier seien Meinungsverschiedenheiten und Konflikte nicht zu vermeiden. Und dennoch wird es, vor allem wegen des „dichten Wohnungsmarktes“ unvermeidlich sein, eine zentrale Unterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge in Koblenz zu schaffen.

Detlev Pilger weiß, dass ein hier großes Problem die Wartezeiten von teilweise über ein bis drei Jahre darstellen, bis ein erstes formales Klärungsgespräch (Interview) stattfinden kann. Für dieses offizielle Klärungsgespräch seien Interviewer zuständig – in Rheinland-Pfalz sitzen diese in Trier – und die seien völlig überlastet. Inzwischen sollen rund 700 Stellen bundesweit hierfür geschaffen worden sein und in den Gremien in Berlin werden laut Detlev Pilger inzwischen weitere Verbesserungsvorschläge diskutiert, deren Umsetzungen aber leider noch auf sich warten ließen.
Ein weiteres Thema, das angesprochen wurde war die Wichtigkeit der Sprachförderung und der Sprachkurse für die Integration der Asylbewerber. Selim Özem berichtete abschließend von einem kürzlich gebildeten Netzwerk Arbeitskreis Asyl, wo sich verschiedene Unterstützergruppen zusammengeschlossen haben und im Bereich Migration und Integration helfen möchten.