WORMS – Sami Khedira, Jerome Boateng und Mesmut Özil: Dieses Trio kämpft in diesen Tagen bei der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich für das Team Deutschland um den nächsten Titel für die Nationalmannschaft. Alle drei gehören aber nicht nur zu den besten Fußballern der Bundesrepublik, sondern die Spitzensportler sind mit ihren verschiedenen Migrationshintergründen zugleich Vorbilder in Sachen Integration durch Sport. Bundestagsabgeordneter Marcus Held (SPD) ging im Zuge der Veranstaltungsreihe „Fraktion vor Ort“ von der SPD-Bundestagsfraktion der Frage auf den Grund, wie Integration durch Sport auf kleinerer Ebene gelingen kann. Dafür begrüßte er rund 40 Vereinsvertreter aus Worms und Umgebung, seinen Koblenzer Bundestagskollegen Detlev Pilger (SPD) sowie den städtischen Sportdezernenten Uwe Franz, Stadtsportverbandsvertreter Günter Schnee und Wormatia-Vorstand Andreas Hahn zum fachbezogenen Gedankenaustausch in Restaurant des Tennisclub Bürgerweide.

Ein Allheilmittel für eine gelungene Integration durch Sport brachte die rund zweistündige Diskussionsrunde zwar nicht hervor. Doch damit war im Vorfeld der Veranstaltung auch nicht zu rechnen, hätten die beiden SPD-Politiker dieses Allheilmittel doch schon längst in ihren jeweiligen Ausschüssen thematisiert. Stattdessen ging es darum, regionale Lösungsansätze an die Vereinslandschaft heranzutragen. Und das ist Marcus Held und Detlev Pilger, der passenderweise der Arbeitsgemeinschaft Sport des Deutschen Bundestages angehört, gelungen. „Die Vereine habe ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen in die Diskussion eingebracht und die damit einhergehenden Herausforderungen nachvollziehbar und praxisnah dargestellt. Wir können dadurch viele wichtige Impulse für unsere politische Arbeit in Berlin und den Wahlkreisen mitnehmen“, bilanzierten die beiden Abgeordneten am Ende der Veranstaltung unisono. Eine bürgernahe politische Begleitung des Integrationsprozesses von Einwanderern und Flüchtlingen sei nach Meinung der beiden Sozialdemokraten besonders wichtig, weil die Schaffung rechtlicher Grundlagen in der großen Koalition aktuell nicht möglich ist. „Wir haben es als SPD leider nicht geschafft, das Einwanderungsgesetz durchzubringen“, sagte Marcus Held im Kreise der Vereinsvertreter und betonte: „Jetzt ist es unsere Pflicht und unser Bestreben, Integration aktiv zu begleiten.“ Detlev Pilger stellte deshalb anschließend mehrere Förderprogramme des Bundes und verschiedener Stiftungen vor, die Vereine finanziell bei der Integrationsarbeit unterstützen. „Sport verleiht Struktur im Leben und hilft bei dem Erlenen von Schlüsselqualifikationen wie Kameradschaft und Pünktlichkeit“, sagte Pilger, verbunden mit dem Aufruf, die entsprechenden Fördermöglichkeiten zur Integrationsarbeit auszuschöpfen. Ein weiterer Vorschlag des Koblenzer Parlamentariers zielte auf die Einführung einer steuerlich absetzbaren Kilometerpauschale für Trainer ab.

Marcus Held ergänzte mit Blick auf ein Wormser Paradebeispiel für gelungene Integrationsarbeit bei der Turngemeinde Worms, die jüngst mit einem Integrationspreis für die vereinsinternen Bemühungen ausgezeichnet wurde: „Förderungen sollten nur einer von vielen kleinen Schritten sein, denn das wichtigste ist die Integrationsarbeit der Ehrenamtler im Verein. Das haben die TGW und viele weitere rheinhessische Vereine bereits eindrucksvoll bewiesen.“ Laut Sportdezernent Uwe Franz befinde sich die Stadt Worms, die zurzeit 1000 Flüchtlinge betreut, auf einem guten Weg bei der Integration durch Sport. Er warb abschließend für ein aktives Zugehen der Vereine auf die Flüchtlinge, „um ihnen die Vereinsstrukturen hier in Deutschland näher zu bringen.“