Einmal Schängel – immer Schängel. So könnte man Klaus Dieter Mohrs treffend beschreiben. Heute ist der ehemalige Gülser und jetzige Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg regelmäßiger Gast seiner Heimatstadt Koblenz, in der er 28 Jahre seines Lebens verbrachte. In Koblenz und der Region begann Mohrs auch seine berufliche Laufbahn als Diplom Pädagoge mit Stationen in Neuwied und als Chef der Falken, der linken Jugendbewegung. Sein 34 jähriger Sohn und Detlev Pilger, Vorsitzender der SPD Koblenz und Mitglied des Bundestages, haben darüber hinaus den gleichen Arbeitgeber – den Deutschen Bundestag. Reichlich Gesprächsstoff für die 80. Jubiläumsausgabe der „60 Minuten – SPD im Dialog“, zu der neben Detlev Pilger auch „Kollege“ David Langner, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Klaus Dieter Mohrs begrüßten.

In einigen Punkten ähneln sich Koblenz und Wolfsburg dann auch: Beide Städte weisen eine hohe Zahl an Einpendler aus dem Umland auf – Wolfsburg rund 80.000 am Tag, alleine 1.000 aus Berlin, das man in gut einer Stunde mit dem ICE erreichen kann – wenn er denn hält, wie Mohrs schmunzelnd einschränkt. Und ähnlich wie Koblenz wird in der Autostadt Wolfsburg den Deutschen liebstes Kind, dem Auto, viel Raum eingeräumt. Einem Umstand, der in Anbetracht des Hauptarbeitgebers Volkswagen nicht verwundert. Trotzdem oder gerade deshalb findet auch hier ein Umdenken statt – nicht zuletzt durch den Autobauer selbst, der neben einem großzügigen sozialem Engagement in unterschiedlichen Bereichen der Stadt auch Car-Sharing-Projekte pilotiert. Dennoch gibt es Nachholbedarf: an Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen oder mobil eingeschränkte Menschen wurde bisher weniger gedacht, wie Mohrs eingesteht. Radwege wurden bisher lange in Wolfsburg eher als Störfaktor für den Autoverkehr gesehen. Dies ändert sich zurzeit sehr schnell, zumal der Oberbürgermeister als gutes Beispiel vorangehend täglich mit dem Rad den 11 km langen Weg zum Rathaus zurücklegt. Aber auch im Bereich des sozialen oder bezahlbaren Wohnungsbaus fehlen gut 10.000 Wohnungen.In Wolfsburg selbst hängen direkt rund 125.000 Arbeitsplätze vom Autokonzern ab. Im Umland kommen noch einmal 100.000 Jobs in der Automobilindustrie oder in ihr nahestehenden Branchen hinzu. Daher verwundert es nicht, wenn Mohrs bekennt: Nur wenn es dem Konzern gut geht, geht es auch der Stadt gut.
Was David Langner für Koblenz vorhat, wird in Wolfsburg bereits gelebt: die Zusammenarbeit mit Kommunen und der Region im Umland – hier vor allem mit der Stadt Braunschweig. Dadurch würden viele Synergien entstehen und Ressourcen optimal genutzt. Aber auch sonst hat Wolfsburg, was David Langner auch für Koblenz denkt: Stadtratssitzungen werden live im Internet gestreamt und die Verwaltung ist auch in den sozialen Medien erreichbar.
Für Koblenz wünscht sich der Automobilstadt-OB Mohrs dann doch etwas Überraschendes: Ausbau des Park&Ride-Angebots und eine Zurückdrängung des Autos aus der Innenstadt. Nur so können Städte zukünftig ihre Attraktivität steigern.