Vor ca. 1 ½ Jahren bekam ich die Zusage für ein einjähriges Austauschprogramm in den USA durch ein Stipendium des Bundestags durch den Bundestagsabgeordneten Detlev Pilger. Hierzu lud er mich zu einem persönlichen Termin ein – was sehr aufregend war und ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und dieses wundervolle Jahr!!! Am 13. August 2014 war es soweit… mein aufregendes Austauschjahr in den Staaten begann. Ich startete in Frankfurt aus nach los Angeles (Ziel Chandler in Phoenix im Staat Arizona) in mein bis dahin größtes Abenteuer. Schon vorher hatte ich mir viele Gedanken gemacht, Vorbereitungen getroffen und viele Abschiede hinter mir. Die Idee – solch ein Abenteuer zu wagen – kam ganz spontan.
Ich wollte einfach gerne Neues erleben, meinen Horizont erweitern und ein anderes Land „ERLEBEN“ und wirklich kennenlernen.
Die Entscheidung, dass es die Vereinigten Staaten sein sollten fiel sehr schnell. Schon immer hat mich die USA fasziniert und ich war froh dieses Land jetzt hautnah erleben zu können. Also informierte ich mich, erledigte die Papierarbeit und war am 13.08.2014 mehr oder weniger bereit meine Reise anzutreten.
Von Beginn an wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Meine Gastfamilie habe ich von der ersten Minute in mein Herz geschlossen. Es sind wunderbare Menschen, die mir so viel ermöglicht haben und mich immer mit offenen Armen und Verständnis begleitet haben. Es waren echte „Eltern“ für mich (und Brüder), die immer für ich da waren. Sie haben mir ihr wunderbares Land und die Lebensweise dort gezeigt und die Chemie zwischen uns hat einfach gestimmt. Sie haben viele sehr eindrucksvolle Trips mit mir unternommen. Grand Canyon, San Francisco, Yosemite Park, Las Vegas, Californien, Disney Land und viele kleine Trips in der Umgebung. Sie haben auch viele lokale Events mit mir besucht: Country Konzert, Football Spiele und klassische Konzerte. In diesen Dimensionen hatte ich noch nie vorher Ähnliches in Deutschland erlebt. Beeindruckend… das Land der Superlative…
Wenn ich die ersten Tage in den USA in meinem Tagebuch nachschlage, kann ich auf vielen Seiten die Sätze lesen wie: „Beste Entscheidung meines Lebens“ oder „Das wird das beste Jahr ever!“. Dass ich schon von Beginn an wusste wie sehr ich das Jahr genießen werde, machte Vieles einfacher. Natürlich war die erste Zeit etwas seltsam, da von Familie zu Familie doch viele Dinge im Alltag variieren, aber ich ließ mich auf alles ein und brachte auch viele Beschreibungen deutscher Gewohnheiten und Lebensweisen mit ein. Ich versucht e meiner Gastfamilie das ganze Jahr über so viel wie möglich über mein Land nahezubringen, zu erzählen oder sie selbst erleben zu lassen, wie z. B. durch Päckchen meiner Eltern deutscher Produkte. Sie lieben z. B. deutschen Senf!! Sie waren immer interessiert und haben viele Fragen gestellt über Deutschland und unser Leben. Durch ihr Interesse, ergaben sich viele Fragen von selber, ohne dass ich von mir aus erzählen musste. Aber noch viel mehr als ich meiner Familie über Deutschland nahebringen konnte, erklärten sie mir über die USA.

Egal wo wir waren, es gab immer etwas neues, das sie mir zeigen wollten. Ob es Restaurants waren oder Sehenswürdigkeiten. Fast jeden Tag war ich aufs Neue erstaunt und habe etwas neues Amerikanisches kennengelernt. Das war wahrscheinlich das Beste in diesem Jahr: Viele Amerikaner waren sehr aufgeschlossen, interessiert und kamen auf mich zu. Ich finde dass der Stereotyp des sehr freundlichen, höflichen, entspannten, freiheitsliebenden und stolzen Amerikaners durchaus zutrifft. Die gesamte Lebensart war viel entspannter, offener und netter. Amerikaner unterstützen sich gegenseitig sehr und freuen sich miteinander an den gegenseitigen Erfolgen. Es gab viel weniger Außenseiter, die gegenseitige Akzeptanz war viel höher, und es ist sehr einfach – wenn man sich selbst öffnet – viele Freunde zu finden. Ich brauchte eine Weile bis ich soweit war, aber nach ca. 4 Monaten hatte ich so viel Freunde, dass ich wahrscheinlich kein einziges mal den Klassenraum gewechselt habe ohne jemanden zu treffen, den ich kannte. Der Deutsche zu sein in einer Amerikanischen High School mit 4500 Schülern war etwas ganz Besonderes und ich genoss viele Privilegien.

Generell gibt es viele Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Schulsystem. Schule in den USA ist ein sehr großer Anteil am Leben. Aber nicht nur das Lernen… Auch die Freizeit wurde in der Schule verbracht. Ob Sportteams, Theaterclub oder Musik; alles war in der Schule vertreten und besonders finanziell gefördert. Die Schüler hatten alle die Möglichkeiten in einer dieser Klassen aufzublühen und erfolgreich zu werden. Ich finde, dass durch diese vielseitigen Angebote die Schule mehr zu einem schönen und freudvollen Ort wird – ohne dass das Lernen vernachlässigt wird. Ich finde zu wissen das man z. B. in der letzten Stunde seinen Lieblingssport hat, motoviert für den gesamten Tag. Auch der Teamgeist der Amerikaner ist unschlagbar und sehr beeindruckend.
Ich denke, dass das Zurechtzukommen in der Schule einer der wichtigsten Teile eines Schüleraustauschs ist. Wenn man in der Schule Spaß hat und Freunde findet – macht das schon den Großteil von einem Jahr voller Spaß, Erfahrungen und persönlichem Wachstum aus.

Auch außerhalb der Schule profitiert man von der Offenheit der Amerikaner. Schon bald nachdem ich dem Volleyballteam beigetreten bin, haben mich meine Freunde dort eingeladen mit ihnen auf Events zu fahren oder einfach gemeinsame Zeit zu verbringen. Mit der Zeit wurde mein Team mehr eine Art Familie für mich und mit machen dort verbrachte ich fast mehr Zeit als mit meinen Gastbrüdern. Ich liebte die Zeit mit meinen Volleyballfreunden und wir unternahmen unglaublich viele Dinge. Die meisten schönen Erinnerungen aus meinem Jahr hatte ich zusammen mit Freunden. Die Freiheit mit 16 Jahren schon Auto fahren und Orte spontan besuchen zu können gibt viele Möglichkeiten und Abwechslung!

Wer hat schon einmal auf der Ladefläche eine Pickups nachts den klaren Sternenhimmel über der Wüste gesehen?
Die größte Veränderung meines Charakters ist aber mein gewachsenes Einfühlungsvermögen. In Deutschland hatte ich meine Freunde, wusste wie alles abläuft, war gut in der Schule… Alles lief sehr gut und ich war beliebt. Als ich dann aber nach Amerika kam wurde ich auf einmal in die Rolle des „Neuen“ geworfen. Keiner kannte mich, ich hatte keine Sicherheit und musste erst einmal die anfängliche Schüchternheit überwinden. Keine leichte Aufgabe! Ich hatte niemals richtig verstanden wieso manche Leute in meinem Umfeld in Deutschland so schüchtern waren. Aber durch das eigenen Erleben des „unsicher seins“ – kann ich das jetzt sehr gut nachvollziehen. Ich bin überwältigt wie viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit mir in den USA zugutekam und habe mir als Lebensziel gesetzt davon zu lernen und anderen Menschen dasselbe Gefühl zu geben. Ich bin so unglaublich dankbar für alle Freunde, die ich hatte, meine Familie, die Schule etc., sodass ich jetzt versuche etwas von diesem Glück, das ich erfahren habe, weiterzugeben.

Wenn ich jetzt jemanden sehe, der unsicher oder schüchtern ist, gehe ich auf ihn zu – erzähle ihm dass er gar nicht so sein muss und helfe ihm. Undenkbar vor meiner Reise. Ich weiß einfach und verstehe wie es ist unsicher zu sein und das lässt mich mein Leben hier viel mehr wertzuschätzen! Ich bin sehr dankbar, dass ich auch diese Erfahrung machen konnte, denn obwohl viele Situationen in dem Moment wenn sie passieren unangenehm sind, lernt man doch von ihnen – auf lange Zeit.
Ich bin der Meinung, dass man ein Austauschjahr niemals beschreiben kann, sodass der Zuhörer weiß, wie es sich anfühlt dort zu sein. Sogar meine Eltern, denen ich viel erzählt habe, können niemals wissen wie es sich genau anfühlt. Ich finde auch, dass der Schüleraustausch mehr beworben und unterstütz werden sollte. Viele haben noch nie von der Möglichkeit gehört in ein anders Land zu gehen. Jedem den ich treffe und der Interesse haben könnte, lege ich ans Herz mal über einen Austausch nachzudenken. Jeder der kein Austauschjahr mach, obwohl er die Möglichkeiten hat, verpasst meiner Meinung nach etwas ganz Großartiges.

Ich habe viel erlebt und Geschichten gesammelt in diesem Jahr, dass ich damit für den Rest meines Lebens genug Geschichten erzählen kann. Es kann sogar sein, dass ich in diesem einen Jahr so viel erlebt habe als in den letzten 5 Jahren in Deutschland. Wo immer ich bin, und in welcher Situation ich auch bin, mir fällt immer etwas ein wie es doch in Amerika gewesen ist. Mein Jahr in den USA hat mich essentiell geprägt und ich bin sicher, dass ich mit vielen Freunden und meiner Gastfamilie noch lange in Kontakt bleiben werde.
Im Dezember habe ich bereits einen Trip zu meiner amerikanischen „Familie“ geplant. Dafür habe ich mit bereits einen Nebenjob besorgt, um diese Reise finanzieren zu könne.

Im nächsten Sommer kommt meine Gastfamilie nach Deutschland und besucht mich und meine Familie. Darauf freue ich mich sehr!!!
Wir sind sehr aufgeregt und ich bin froh, dass ich dann die Möglichkeit habe ihnen alles hier zu zeigen. Ich habe mich immer geärgert, dass ich den Leuten in Amerika niemals so viel zurückgeben kann wie sie mir gegeben haben. Manche wissen gar nicht wie wichtig sie mir waren, aber es ist toll zu sehen, dass mit kleinen Begegnungen bei einem anderen Menschen so viel Freude ausgelöst werden kann.
Jetzt nach drei Wochen in Deutschland, bin ich zwar im deutschen Alltag zurückgekehrt und verbringe viel Zeit mit meinen deutschen Freunden – die Amerikaner und dieses unglaubliche Land wird mir allerdings bis ich sterbe nicht mehr aus dem Herzen und den Gedanken gehen. Ich bin unbeschreiblich dankbar um dieses Abenteuer und ich weiß jetzt schon, dass dieses besondere Jahr eines der großartigsten meines Lebens sein wird.

Exchange isn´t a year in your life,
It´s a life in a year.

Florian Münch