Es gibt wenige Themen, die quer durch alle Parteien und ungeachtet politischer Auseinandersetzungen als unumstößlich gelten. Der Einsatz für Kinderrechte und der Kampf gegen jede Form der Gewalt gegen Kinder und Heranwachsende kann zweifelsfrei dazu gezählt werden.

Von dieser Arbeit berichtete Uwe Diederichs-Seidel, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Koblenz e.V. den Gästen der monatlichen Veranstaltungsreihe der Koblenzer SPD, 60 Minuten – SPD im Dialog. Seit 40 Jahren ist der Kreis- und Ortsverband für Kinder, Jugendliche und Familien in der Stadt Koblenz. Als Träger des Kinderschutzdienstes betreut der Kinderschutzbund auch den Landkreis Mayen-Koblenz. Dieser Fachdienst mit 2 hauptamtlichen Vollzeitstellen ist Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche, die von Gewalt und Misshandlung betroffen sind. Es können sich aber auch andere Menschen beim Kinderschutzdienst melden, die in ihrer Umgebung eine Kindeswohlgefährdung wahrnehmen oder vermuten.

Der Kinderschutzbund führt das erfolgreiche „Koblenzer Präventionsprojekt“ fort, das vor über zehn Jahren gegründet wurde. Ziel ist es, die Kinder in den Grundschulen altersgerecht so zu stärken, dass sie genau wissen was sie wollen und was sie auf keinen Fall möchten. Über die Theaterstücke „Mein Körper gehört mir“ und „die große NEIN-Tonne“ wird den Kindern vor allem die Ausdrucksmöglichkeit vermittelt sich wehren zu können und Hilfe zu holen. Das Besondere an dem Projekt ist, dass auch Eltern über spezielle Elternabende sensibilisiert werden und die Lehrerinnen und Lehrer durch regelmäßige Fortbildungen Hilfen an die Hand bekommen, um mit diesem wichtigen Thema umgehen zu können.

Diederichs-Seidel registriert deutschlandweit steigende Fallzahlen und Verurteilungen, was kein Indiz dafür sei, dass die Gesellschaft verrohe oder generell mehr Missbrauch stattfinde. Vielmehr werde eine immer größere Zahl von Missbrauchsfällen zur Anzeige und zur Polizei gebracht, was sicher auch einer erhöhten Sensibilisierung innerhalb der Bevölkerung geschuldet sei. Dabei könne aber kein atypisches Umfeld wie Elternhaus, Schule oder Verein für Missbrauch identifiziert werden. Auch sei Missbrauch, ob physisch oder auch durch materielle Vernachlässigung, kein Problem einzelner, sozialer Schichten. Auch ein Zuviel an materiellen Zuwendungen auf der einen und ein Zuwenig an Wärme und Zuneigung auf der anderen Seite könne eine gewisse Form der Vernachlässigung und Schädigung des Kindes darstellen.

Ein Anliegen bleibe vor dem Hintergrund der Tatsache, dass in Deutschland jedes fünfte Kind als arm gelte und jedes sechste Kind von Grundsicherung lebe, Kinderrechte endlich im Grundgesetz zu verankern. Diese Absicht steht Ebenso müsse über eine Kindergrundsicherung, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, nachgedacht werden. Nur so können Kinder gleiche und optimale Ausgangssituationen geboten werden.