Der frühere Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat der SPD Martin Schulz war auf Einladung der SPD-Koblenz zu Gast in Koblenz. Im Mehrgenerationenhaus von Modernes Wohnen in der Goldgrube hielt der frühere Präsident des europäischen Parlaments ein flammendes Plädoyer für Europa

Anschließend stellte er sich den Fragen der rund 80 Interessierten.

Schulz sprach von nicht weniger als einem Epochenwandel, den die Menschen in Europa derzeit erlebten. Die demokratischen Freiheitsrechte würden derzeit von allen Ecken und rechten Populisten angegriffen: Trump, China, Orban – um nur einige zu benennen.

Auch in Deutschland würden nationalistische Töne immer lauter werden, betonte Schulz mit Verweis auf die AfD. Die Antwort auf diese und weitere Herausforderungen könne aber nur ein Zusammenrücken des Staatenbundes sein. Schließlich sei die EU der reichste Binnenmarkt der Welt. Grundlegende Standards im Bereich des Umweltschutzes könnten gemeinsam durchgesetzt werden.

Schulz erklärte, dass Demokratie Zeit brauche, die sie in einer durch soziale Medien sich immer schneller drehenden Zeit nicht unbedingt zugestanden bekomme. Das sei ein Problem. Er fordert „Mut zur Entschleunigung“. Denn die schnellsten Lösungen seien nicht immer die besten!

Mehr Europa bedeute auch, dass die EU besser, sozialer und gerechter werden müsse. Für Schulz ist ein europäische Finanzminister sinnvoll und wichtig, nicht nur mit Blick auf Firmen wie Google oder Facebook und deren Steuermoral.

Auch in der anschließenden Fragerunde war von Europaskepsis oder -müdigkeit keine Spur – im Gegenteil. Über Brexit (verantwortungslos) über Uploadfilter (gibt es technisch gar nicht) bis hin zu einer Vertiefung der Eurozone wurde leidenschaftlich debattiert.