Selbstkritisch, aber optimistisch gab sich der Koblenzer SPD-Stadtverband beim Parteitag in der Julius-Wegeler-Schule. Der kritische Blick richtete sich dabei auf die jüngere Vergangenheit, genauer: auf die Kommunalwahl vom Mai dieses Jahres, bei der die SPD ihr Ergebnis zwar halten, ihre Präsenz im Stadtrat aber nicht hatte verbessern können. Für Detlev Pilger ist dies keinesfalls das Resultat mangelnder politischer Kompetenzen, wie der Bundestagsabgeordnete bei seiner Begrüßungsrede betonte: „Wir werden für unsere gute Politik nicht belohnt“, bedauerte er. Das Problem liege vielmehr in der Vermittlung der sozialdemokratischen Inhalte. Pilger: „Wir schaffen es nicht, unsere Botschaften an die Frau und an den Mann zu bringen.“So wie Pilger betonte auch David Langner die enorme Bedeutung, die der direkte Kontakt mit den Bürgern für die Partei in Zukunft spielen müsse. „Die SPD muss die Dialogpartei in Koblenz werden“, gab der Stadtverbandsvorsitzende die Marschrichtung vor. „Das ist doch genau das, was von Politikern erwartet wird: Dass sie zuhören und nicht über die Menschen, sondern mit ihnen reden.“ Und zwar über die Themen, die diese täglich beschäftigen und die, die ureigenen Themen der Sozialdemokratie seien: Integration, bezahlbarer Wohnraum und demografischer Wandel. „Die Interessen, die wir vertreten, betreffen 90 Prozent der Gesellschaft“, ergänzte Detlev Pilger.

Im Sinne von „nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf“ stellte sich David Langner außerdem schon einmal als Kandidat für die Landtagswahl 2016 zur Verfügung. „Es muss unser Anspruch sein, auch einen linksrheinischen Vertreter im Landtag zu haben“, stellte der Vorsitzende klar, und ergänzte: „Ich möchte Koblenz und euch in Mainz vertreten.“
Zunächst einmal stand aber die Wahl des Stadtverbandsvorstandes an, für dessen Vorsitz Langner ebenfalls kandidierte und mit großer Mehrheit wiedergewählt wurde. Stellvertretende Vorsitzende wurden Detlev Pilger (Ortsverband Güls), Marion Lipinski-Naumann (OV Rübenach) und Christian Altmaier (OV Metternich). Schriftführer wurde Fritz Naumann (OV Mitte), als Schatzmeister wurde Walter Schneider (OV Karthause) bestätigt.

Dass die Koblenzer SPD eine „plurale Partei“ ist (Pilger), in der auch mal Meinungsverschiedenheiten auftreten und diskutiert werden, zeigte sich, als es laut Tagesordnung an die Beratung vorliegender Anträge ging. Die Vorschläge der Arbeitsgemeinschaft der Jusos und des Ortsverbandes Bubenheim, das Delegiertensystem der SPD-Stadtverbandskonferenzen abzuschaffen und den Mitgliedern durch eine Urwahl mehr Mitspracherecht einzuräumen, wurde sehr kontrovers diskutiert. „Wie soll ich die Leute überzeugen, in die Partei einzutreten, wenn sie nicht selbst etwas bewirken können?“, fragten die einen, während die Gegner des Urwahlprinzips darauf hinwiesen, dass dies das Problem der schwindenden Mitgliederzahlen keineswegs lösen könne. „Wir brauchen Mitglieder, die auch die unschönen Arbeiten machen“, meinte Fraktionsgeschäftsführer Christian Altmaier.

Das Ergebnis der Diskussion blieb vorerst offen. Einig waren sich alle Beteiligten dafür aber darüber, dass die Koblenzer SPD sich auf einem guten Weg befindet.

Der Artikel erschien in der Rhein-Zeitung am 29. September 2014, verfasst von Ronja Kieffer (RZ).