Hoher Besuch aus dem Polizeipräsidium bei „60 Minuten SPD – im Dialog“
„Eine zeitnahe Reaktion auf ein Fehlverhalten ist ein wichtiges Instrument, um auf junge Straftäter einwirken zu können“, so der Koblenzer Polizeipräsident Horst Eckhardt in seinem Eingangsstatement. Er kritisiert, dass ein Haus des Jugendrechts in Koblenz aus finanziellen Gründen noch immer nicht realisiert werden konnte und erläuterte weiter, dass „seitens der Polizei zwar zur besseren Koordinierung bereits das Sachgebiet „Jugend“ auf den Weg gebracht wurde, wo die Informationen zu jugendlichen und jungen Tätern bis 21 Jahre innerhalb der Behörde zusammenlaufen, aber die enge Vernetzung der drei Polizeiinspektionen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Koblenz allein nur begrenzte Verbesserungen erzielen könne.“ Die Realisierung eines Hauses des Jugendrechts in Koblenz muss nach seinem Empfinden weiterhin Priorität haben. Eine Forderung, die bei Detlev Pilger, jugend- und sozialpolitischem Sprecher der SPD Fraktion und Bundestagskandidat für den Wahlkreis 200, auf offene Ohren stößt. „Ich habe die konzeptionelle Vorstellung für ein Haus des Jugendrechts im Jugendhilfeausschuss noch in guter Erinnerung. Der damit einhergehende Raumbedarf und insbesondere die bauliche Ausgestaltung müssen nochmals genau unter die Lupe genommen werden, damit eine Realisierung möglich wird“

Das derzeit größte Problemfeld aus polizeilicher Sicht beobachtet der Polizeipräsident bei den sogenannten Ordnungs- und Rohheitsdelikten. Diese werden insbesondere in den frühen Morgenstunden am Wochenende begangen. Hier reagiert die Polizei bereits seit einiger Zeit mit zusätzlichen Einsatzkräften. Diese sind verstärkt in den „Ausfallstraßen“ unterwegs, die genutzt werden, um fußläufig den Heimweg anzutreten.

Nachdem dadurch zunächst durch eine höhere Aufklärungsquote ein Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen war, stellt Horst Eckhardt inzwischen einen Rückgang der Fallzahlen fest. Ursächlich für die Mehrzahl der Delikte bleibt für ihn übermäßiger Alkoholkonsum.

„Groben Unfug hat es immer gegeben und wird es immer geben, der lässt sich auch nicht verhindern, aber viele Tatentwicklungen lassen sich durch frühzeitige präventive Maßnahmen zumindest in Häufigkeit und Intensität verringern. Hier ist eine grundsätzliche Entscheidung der Politik gefordert. Denn um wirksam präventiv arbeiten zu können, um gleichzeitig die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und durch Polizeipräsenz die Zahl der Delikte so gering wie möglich zu halten, ist eine angemessene finanzielle Ausstattung unabdingbar“, formuliert Polizeipräsident Eckhardt seine Vorstellung ergebnisorientierter Polizeiarbeit direkt an Detlev Pilger und David Langner, den Vorsitzenden der Koblenzer SPD.

Ein weiteres Problem für Eckhardt: Gastronomische Betriebe müssen zurzeit lediglich eine einstündige Schließzeit einhalten, sodass es im Prinzip keinerlei Nachtruhe im Bereich der Altstadt gibt. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Polizei und gastronomischen Betrieben funktioniere an dieser Stelle leider nicht, da die Interessen auseinandergehen. Eckhardts klare Forderung: Die Wiedereinführung der Sperrstunde, die er als gute Möglichkeit sieht,  Ordnungs-und Rohheitsdelikte in den Griff zu bekommen.

David Langner, Horst Eckhardt , Detlev Pilger (v.l.n.r.)

David Langner, Horst Eckhardt , Detlev Pilger (v.l.n.r.)

Einen zweiten Schwerpunkt setze der Dialog bei den anstehenden tollen Tagen. Im Karneval werden verstärkt Alkoholkontrollen bei Autofahrern durchgeführt. Es ist dabei aber auch immer wieder festzustellen, dass das Fahren unter Einwirkung von Drogen mehr und mehr zunimmt und die Polizisten in den letzten Jahren deshalb besonders darin geschult worden sind, Drogenkonsum zu erkennen. Das Sicherheitskonzept für den Rosenmontag habe sich bewährt, so Eckhardt und so gilt für die Obere Löhr auch wieder ein Glasflaschenverbot. Mobile Einsatzteams der Polizei werden entlang der Zugstrecke unterwegs sein, Präsenz zeigen und verstärkt Kontrollen durchführen. Horst Eckhard lobt die präventive Veranstaltung des Koblenzer Jugendamtes. Die alkoholfreie Karnevalsparty im Agostea biete vielen Jugendlichen eine attraktive Alternative.