Für Gabi Laschet-Einig soll es mehr als nur ein Thema im Hinblick auf die Landtagswahl 2016 sein. „Wichtig für die Zukunft eines Stadtteils, in dem heute mehr als 1000 Menschen leben“, nennt die Ortschefin den jüngsten Vorstoß der Lahnsteiner Sozialdemokraten, die Bahn zu überzeugen, in Friedland einen Schienenhaltepunkt einzurichten. Flankiert von Innenminister Roger Lewentz und dem SPD-Bundestagskandidaten Detlev Pilger trafen sich die Sozialdemokraten nun an der Straße zum Campingplatz Wolfsmühle, wo der geeignete Platz für einen möglichen Haltepunkt sein könnte.

„Nach der Schließung der Straße nach Friedrichssegen ist für die Bürger hier der Kontakt in Richtung Bad Ems abgerissen“, zeigt sich Laschet-Einig überzeugt, deren Partei das Thema Haltepunkt auch bei der städtischen Haushaltsberatung im Januar angebracht hatte. „Der Oberbürgermeister hat uns seinerzeit erklärt, dass die Bahn aufgrund der zu erwartenden hohen Kosten und geringen Fluktuation kein Interesse an einem solchen Projekt habe.“ Der Haltepunkt würde wohl mehr als 1,5 Millionen Euro kosten – offenbar zu viel für die Bahn.

Dabei hat diese vor einiger Zeit das Projekt „Stationsoffensive“ ins Leben gerufen hat, wie Minister Lewentz den Ortsvereinsmitgliedern erklärte. Hierbei seien bundesweit nach bestimmten Kriterien Standorte für neue Stationen gesucht worden, um den Nahverkehr zu stärken und um Neukunden zu gewinnen. Im Rahmen dieser Untersuchung habe die Bahn auch die Errichtung einer Station an der Lahnstrecke im Bereich Friedland beleuchtet, ergänzte er. „Allerdings erbrachte die Untersuchung ein Potenzial von nur 90 Neukunden, womit das Minimalziel von 100 nicht erreicht wurde.“ Einerseits, so der Tenor der Genossen, müsse man die Bahn auch verstehen, schließlich müsse diese als Privatunternehmen eine Wirtschaftlichkeit anstreben. „Also müssen wir deutlich machen, dass 100 Neukunden durchaus erreicht werden können und es noch weitere gute Gründe für einen Haltepunkt hier gibt“, so der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Richard von Eyß. So führt die nah gelegene C.S.-Schmidt-Brücke unmittelbar auf eine Rheinsteigetappe, also würden auch Wanderer von einem solchen Haltepunkt profitieren, genau wie die Gäste des Campingplatzes. Und den Grundschülern aus Friedland, die die Grundschule in Friedrichssegen besuchen, würde eine Bahnanbindung einen Umweg mit dem Bus von mehreren Kilometern ersparen. „Man muss der Bahn deutlich machen, wie wichtig die Maßnahme für die Leute in Friedland wäre“, ergänzte MdB Detlev Pilger, der genau wie Lewentz eine Haushaltsbefragung ins Spiel brachte. Laut der Stadtverwaltung sind im Stadtteil Friedland insgesamt 1084 Bewohner gemeldet, 1069 mit ihrer Hauptwohnung und 15 mit einer Nebenwohnung. „Wenn bei einer solchen Befragung herauskommt, dass ein größerer Teil der Bewohner den Haltepunkt auch nutzen wird, hat man doch gute Argumente!“

Die Sozialdemokraten wollen nun den städtischen Gremien den Vorschlag unterbreiten, eine solche Haushaltsbefragung durchzuführen. „Wir brauchen neue Zahlen, um die Bahn zu überzeugen“, sagt Laschet-Einig. Und auch Landrat Frank Puchtler, der ebenfalls nach Friedland gekommen war, sieht nur einen Weg zur Umsetzung des kostspieligen Projektes. „Wir müssen die Bahn überzeugen, dass sich ein Haltepunkt Friedland rechnet.“

Rh.-Lahn-Ztg. Bad Ems vom Mittwoch, 19. August 2015, Seite 17