Sie sind jung und sie stehen am Beginn ihres beruflichen Lebens als Kfz-Mechatroniker, Elektroniker, Anlagen- oder Feinmechaniker, Bäcker oder Fleischer. Nichts Ungewöhnliches – wären die rund 20 jungen Leute, die im vergangenen und in diesem Jahr ihre Ausbildung in Handwerksbetrieben der Region begonnen haben, nicht eigentlich im rund 1.700 Kilometer entfernten Valencia zu Hause. So aber stehen die jungen Spanier, die am Projekt MobiProEU teilnehmen und ihre Ausbildung fern der Heimat absolvieren, immer wieder im Mittelpunkt des Interesses. Vier von ihnen nahmen nun ganz offiziell an einem hochkarätigen Erfahrungsaustausch im Koblenzer HwK-Metall- und Technologiezentrum teil, wo sie nicht nur mit ihren Lehrherren über das Projekt diskutierten, sondern auch mit Arbeitsministerin Andrea Nahles und BA-Chef Frank-J. Weise, mit Staatssekretären und Bundestagsabgeordneten, Präsidenten, Geschäftsführern und vielen weiteren Vertretern von Handwerkskammer und Arbeitsagentur.

Das ehrgeizige Projekt

Hinter MobiProEU verbirgt sich ein ebenso aufwändiges wie ehrgeiziges Projekt, das Jugendlichen aus dem krisengeschüttelten Spanien die Chance auf eine qualifizierte Ausbildung bieten soll. Gleichzeitig profitieren auch die heimischen Handwerksbetriebe, die in den letzten Jahren oft Probleme hatten, genügend junge Leute für ihre Profession begeistern zu können. Nicht zu unterschätzen sei aber auch, dass die im Kammerbezirk Koblenz ausgebildeten jungen Menschen später deutsche Qualitätsstandards in ihr Heimatland tragen können, betonte HwK-Hauptgeschäftsführer Alexander Baden. Denn eine Verpflichtung, nach der Ausbildung in Deutschland zu bleiben, gibt es für die jungen Spanier nicht. „Aber selbst wenn sie unserem Arbeitsmarkt nicht auf Dauer erhalten bleiben, werden sie Botschafter des europäischen Gemeinschaftsgedankens und Fürsprecher der dualen Ausbildung sein.“

Viel Anerkennung fand die reibungslose Zusammenarbeit von HwK Koblenz und Arbeitsagentur Koblenz-Mayen, die das Projekt vor Ort umsetzen. Sowohl Nahles als auch Weise betonten, dass die Handwerkskammer Koblenz, die bereits vor dem EU-Projekt Erfahrung mit der Ausbildung spanischer Jugendlicher gesammelt hatte, maßgeblich zum Erfolg von MobiProEU beigetragen habe. „Auf der Suche nach einem Kooperationspartner war die HwK für uns die erste Adresse“, erklärte der BA-Vorsitzende.

Nachhaltige Integration ist wichtig

Viel Lob gab es auch für die Betreuung der jungen Leute, von der der Erfolg des Projekts maßgeblich abhänge. „Schließlich ist es keine leichte Entscheidung, ganz alleine in ein fremdes Land zu gehen und dort zu leben, wenn man gerade erst 20 ist“, meinte Ministerin Nahles und stimmte Alexander Baden in seiner Einschätzung zu, dass man die jungen Spanier „nicht einfach hierher holen und dann sich selbst überlassen kann.“ Neben den obligatorischen Sprachkursen – die bereits im Heimatland beginnen – unterstützt die Kammer ihre Schützlinge vor Ort zum Beispiel bei der Wohnungssuche, beim Kennen- und Verstehen-Lernen ihres neuen Umfeldes oder bei der Organisation ausbildungsbegleitender Hilfen. Gerade für die nachhaltige Integration, das wurde ebenfalls deutlich, spielt allerdings auch das Engagement der Ausbildungsbetriebe eine entscheidende Rolle. „Das geht in einem kleineren Handwerksbetrieb vielleicht leichter als in einem großen Industrieunternehmen“, gab Kammerpräsident Werner Wittlich zu bedenken.

Größte Barriere ist die Sprache

Ausdrücklich fragte Andrea Nahles Jugendliche und Betriebe nach den Schwierigkeiten, die sie zu bewältigen hatten. Schließlich könne sie nur gegensteuern, wenn sie um die Probleme wisse, betonte die Politikerin. Dass dies tatsächlich kurzfristig machbar ist, beweist die Verlängerung des der Ausbildung vorgeschaltetem Praktikums von ursprünglich drei Wochen auf nun drei Monate. Eine Veränderung, die von allen Beteiligten ausdrücklich begrüßt wurde, weil Jugendliche und Ausbilder nun viel besser einschätzen könnten, worauf sie sich einlassen. Die größte Barriere, auch da waren sich Jugendliche und Unternehmer einig, ist nach wie vor die Sprache. Die intensiven Sprachkurse vor und während der Ausbildung hielten zwar alle für notwendig, völlig vermeiden ließen sich dadurch Anfangsschwierigkeiten im Arbeitsalltag jedoch nicht. Außerdem, gab eine Unternehmerin zu bedenken, verlange das straffe Begleitprogramm neben der eigentlichen Ausbildung den jungen Leuten sehr viel ab. „Wenn andere Jugendliche Fußball spielen oder am Wochenende ausschlafen, gehen die jungen Spanier zum Deutschkurs. Manchmal tun sie mir schon leid.“ Die Azubis selbst waren allerdings in erster Linie dankbar für die Chance, die ihnen mit MobiProEU geboten wird. Rodrigo Tena Coello de Portugal, der schon 2012, also vor dem Projektstart, eine Lehre beim Autohaus Scherhag begonnen hat, fasste es so zusammen: „Vielen, vielen Dank für alles.“

An der dritten MobiProEU-Runde im HwK-Kammerbezirk Koblenz sollen im nächsten Jahr neben 15 spanischen auch 15 Jugendliche aus Bulgarien und Rumänien teilnehmen können. Ausgebildet werden soll dann unter anderem auch im Bau-Handwerk und im Hotel- und Gastgewerbe.

Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen