Mittelrheinkonferenz der Sozialdemokraten in St. Goar | Die Sozialdemokraten am Mittelrhein haben ihre Haltung für den Bau einer Brücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen bekräftigt. Außerdem treten sie für den Fortbestand der Koblenzer Seilbahn ein – und zwar unter Beibehaltung des UNESCO-Titels „Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal“. Das sind die wesentlichen Ergebnisse der Mittelrheinkonferenz der SPD-Kreisverbände Rhein-Hunsrück und Rhein-Lahn gemeinsam mit dem SPD-Stadtverband Koblenz am Freitagabend in der Rheinfelshalle in St. Goar. Ferner sprachen sich die Sozialdemokraten vom Mittelrhein für konkrete Maßnahmen gegen den Bahnlärm im Tal aus. Neben dem Europaabgeordneten Norbert Neuser und dem Koblenzer SPD-Vorsitzenden, Staatssekretär David Langner, konnte der gastgebende Kreisvorsitzende, Michael Maurer (Rhein-Hunsrück), den Vorsitzenden der SPD Loreley, Alexander Klein, sowie Anja Bindges und Detlev Pilger, die Bundestagskandidaten der Wahlkreise 201 und 200, auf dem Podium begrüßen. Als Fachreferenten waren Reinhold Petereit und Willi Pusch gekommen.

Detlev Pilger, Berufsschullehrer aus Koblenz und SPD-Bundestagsbewerber, sprach sich trotz der Diskussionen um die Seilbahn und die Brücke für den Erhalt des Welterbestatus aus. Zum Thema Mittelrheinbrücke erinnerte Reinhold Petereit, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative ProBrücke, an den jahrzehntelangen Kampf zur „Erlangung gleichwertiger Lebensbedingungen“. Ohne Brücke sei der Rhein eine trennende Grenze für die Städte und Gemeinden, für die kulturelle Vielfalt und für die Menschen. Petereit verwies auf die Chancen für die regionale Wirtschaft, die von einer Brücke nur profitieren werde. Trotz des gültigen Koalitionsvertrages der rot-grünen Landesregierung, der bis 2016 die Brückenpläne auf Eis gelegt hat, forderte Petereit zu einem Umdenken auf. Mit Blick auf die Grünen appellierte er zu einem Umdenken. Bestehende Verträge könnten auch angepasst werden. Der Bau der Mittelrheinbrücke sei längst überfällig.

Anja Bindges, SPD-Bundestagskandidatin im Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück, sagte, ohne Brücke werde die Region am Mittelrhein langfristig auch zu einer Problemregion in Sachen Gesundheitsversorgung. Die gelernte Krankenschwester und Leiterin von mehreren Pflegediensten lenkte die Diskussion zum Thema Bahnlärm: „Lärm macht krank, das dürfen wir nicht einfach hinnehmen.“ Als versierter Fachmann zum Thema erwies sich Willi Pusch, Vorsitzender Bürgerinitiative gegen Bahnlärm am Mittelrhein und Bundesvorsitzende der Vereinigung gegen Schienenlärm. Neben der Umrüstung der Waggons mit Flüsterbremsen müsse ein ganzes Bündel von Maßnahmen erfolgen. Pusch sieht aber auch die Politik in Zugzwang: „Langfristig muss der Güterverkehr raus aus dem Rheintal. Eine Ausweichstrecke muss her.“ Willi Pusch hat mit seinen Vorstandskollegen aus der Bürgerinitiative diesbezüglich bereits Gespräche mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und deren hessischem Amtskollegen geführt.

Der Bopparder Europaabgeordnete Norbert Neuser stellte klar, dass im Gegensatz zu den Äußerungen von Bundesverkehrsminister Ramsauer und verschiedenen CDU-Politikern seitens der EU sehr wohl Beschränkungen gegenüber der Bahn möglich seien. Der Rhein-Hunsrücker SPD-Vorsitzende Michael Maurer forderte, dass bis zur Realisierung einer Alternativtrasse „in frühestens 20 bis 30 Jahren“ Lärmminderungen durch konsequente Geschwindigkeitsbegrenzungen und Nachtfahrverbote für die Bahn durchgesetzt werden müssten. Neuser bestätigte, dass die EU dem nicht entgegen stehe.

David Langner beleuchtete aus Koblenzer Sicht die aktuelle Diskussion um die Seilbahn und die Demo an der Talstation am Freitagmittag. „Die Bevölkerung hat ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt. Er sei zuversichtlich, dass die Landesregierung auf dem richtigen Weg sei, in den Verhandlungen mit der UNESCO den Bestand der Seilbahn zu erreichen.

Was die Seilbahn für Koblenz ist die Sommerrodelbahn für die Loreley. „Sie ist gut gestartet und hat sich bereits als touristischer Magnet entwickelt“, sagte der SPD-Vorsitzende in der rechtsrheinischen Verbandsgemeinde, Alexander Klein. In seinem Schlusswort machte er deutlich, dass Mittelrheintal brauche die Brücke aber auch die Rodelbahn. Für deren Erhalt wollten die Menschen am Mittelrhein ebenfalls kämpfen.