„Starke Gewerkschaften sind das moralische Gewissen der Politik in Sozial- und Arbeitsfragen. Wir wollen die SPD mit ihren Ideen und Argumenten wieder attraktiver für Gewerkschaften machen“, sagte Detlev Pilger zu Beginn der letzten Ausgabe von„60 Minuten | SPD im Dialog“ in diesem Jahr. Als Gast begrüßte Pilger den Gewerkschaftssekretär der IG-Metall Koblenz, Ali Yener und mit ihm ein Thema, für das gut die dreifache Zeit hätte eingeplant werden können: Ausbildung, Arbeit und Alter.

In seinem Eingangsstatement sprach sich Yener mit Nachdruck dafür aus, ausbildungs- und arbeitssuchende Jugendliche in erster Linie anhand ihrer Fähigkeiten zu beurteilen: „Häufig ist es doch so, dass auf dem Ausbildungsmarkt eine ‚Bestenauslese‘ stattfindet. Davon müssen wir wegkommen. Wir müssen aufhören zu denken, dass für jede Tätigkeit das Höchstmaß an Qualifikation mitgebracht werden muss. Es geht darum die Richtigen zu finden, nicht immer die besten.“

 

Vor allem müsse Jugendlichen eine langfristige Perspektive geboten bekommen. Ausbildung dürfe nicht ausschließlich aus einem rein wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Blickwinkel betrachtet werden. Hier gehe es vor allem um ein langfristiges Wissensmanagement in Betrieben, oder, wie es Yener auf den Punkt brachte darum, „das vorhandene Wissen in Betrieben zu sichern und auf die nachfolgende Generation weiterzugeben. Dann bekommen wir auch den Fachkräftemangel langfristig in den Griff.“

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Beim Übergang von der Ausbildung in eine reguläre Beschäftigung mahnte Yener Verbesserungspotenzial an: „Ohne die Sicherheit eines unbefristeten Arbeitsplatzes werden junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beispielsweise ihre Familienplanung und dergleichen aufschieben. Es macht mich stolz, dass die IG-Metall Koblenz erreichen konnten, dass es in Koblenz Tarifverträge gibt, die den Übergang von der Ausbildung in die reguläre Beschäftigung verantwortlich regeln.“ Gleichzeitig komme es noch immer vor, dass Betriebe ihren Noch-Auszubildenden nahelegen, sich über eine Leiharbeitsfirma im früheren Ausbildungsbetrieb nach Abschluss der Ausbildung beschäftigen zu lassen, um so Kosten zu sparen.

Abschließend wurde auch über die Rentenproblematik diskutiert. Yener machte hierbei unmissverständlich klar, dass „die SPD in ihren jüngsten Rentendebatten und -konzepten gute Akzente in die richtige Richtung setzt. Hier bewegen wir uns wieder aufeinander zu. Aber klar ist auch: Ein Aussetzen der Rente mit 67 reicht hier nicht aus. Hier muss die SPD klar von abrücken.“